Mensch • Glaube • Ethik

Mein Blick auf den Menschen ist von meinem christlichen Glauben und der darauf basierenden Ethik bestimmt. Das bedingt eine Offenheit für Menschen und verschiedenste Themen aber auch einen kritischen Blick auf zeitgeistige Entwicklungen, die dem Menschen bei aller Grenzüberschreitung letztendlich schaden.

Lesung anlässlich des Jubiläums 500 Jahre Reformation aus Martin Luthers: "Von der Freiheit eines Christenmenschen".

„Erstens. Damit wir gründlich erkennen, was ein Christenmensch ist, und wie es um die Freiheit stehe, die ihm Christus erworben und gegeben hat, wovon Sankt Paulus viel schreibt, will ich diese zwei Sätze aufstellen: Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“

Zweitens. Drittens. Das geht so in der stillen aufmerksamen Kirche bis Dreißigstens: „Aus dem allen folgt der Satz, dass ein Christenmensch nicht in sich selbst lebt, sondern in Christus und seinem Nächsten – in Christus durch den Glauben, im Nächsten durch die Liebe.“

Badische Zeitung, 02.11.2017

Fast so voll wie an Weihnachten – Offenburg – Badische Zeitung

Martin Luther und die Frage nach dem Sterben und dem Tod.

„Auch Reformator Martin Luther hat sich intensiv mit der „Ars moriendi“, der seit dem Mittelalter verbreiteten Suche nach dem „gelingenden Sterben“, auseinandergesetzt. Aus dem „Sermon von der Bereitung zum Sterben“ hat Norbert Großklaus in der Stadtkirche gelesen, begleitet von Peter Erdrich am Saxophon. 

Mittelpunkt, so Großklaus, stellt die zehnte These, denn laut Luther seien wir mitten im Leben vom Tod umfangen und mitten im Tod vom Leben. „Im Leben sollte man sich mit dem Gedanken an den Tod beschäftigen und ihn vor uns treten heißen, solange er noch ferne ist und uns noch nicht bedrängt; im Sterben dagegen, wenn er schon von selbst nur allzu stark da ist, ist es gefährlich und nichts nütze.“

Badische Zeitung, 11.11.2017

Im Leben vom Tod umfangen – Offenburg – Badische Zeitung

Aus einem ökumenischen Gottesdienst beim Weihnachtszirkus Offenburg.

„Gemeinsam lesen sie Texte der Weihnachtsgeschichte im Lukas-Evangelium und aus dem Propheten Jesaja, „aus einer Zeit, 700 Jahre vor Christus, also 2700 Jahre vor unserer Zeit“, präzisiert Großklaus. Darin ist die Rede von einem friedlichen Miteinander von Wolf und Lamm, von Löwe und Kalb, von Bärin und Kuh, in einem zukünftigen Reich des Friedens. „Im Zirkus werden solche Tiere natürlich getrennt“, scherzt Großklaus, betont aber mit großem Ernst, dass „unsere Seelen solche Bilder brauchen“, denn mehr und mehr seien die Menschen fürchterlichen Bildern ausgesetzt, von hungernden Kindern, Opfern von Naturkatastrophen, Kriegen und Gewalt, auch und gerade in der Weihnachtszeit. „Gott leidet mit seiner Schöpfung. Wir dürfen Mut haben, trotzdem mit anzupacken, zu helfen, nicht aufzugeben, auch eine Spende hilft.“ 

Badische Zeitung, 28.12.2018

In die Stille das Brüllen der Löwen – Offenburg – Badische Zeitung

Professor Ralf Lankau im „Forum Ethik“, Auferstehungskirche Offenburg.

„Die Frage nach dem Menschen, sei Kernthema der Aufklärung seit dem Aufbruch ins Massenzeitalter: Der einzelne Mensch als Individuum und Persönlichkeit oder als Funktionsträger einer technisierten, heute digitalisierten Gesellschaft und Umwelt? Um darzustellen, wie letzteres heute analysiert und gedacht wird, zitiert Lankau zahlreiche Wissenschaftler, darunter auch den israelischen Historiker Yuval Noah Harari, der in seinem Buch „Homo Deus“ den Data-Ismus als neue weltumspannende Religion sieht: „Für viele Wissenschaftler und Intellektuelle verspricht der Data-Ismus zudem den Heiligen Gral zu liefern, der uns seit Jahrhunderten versagt bleibt: eine einzige übergreifende Theorie, die alle wissenschaftlichen Disziplinen von der Musikwissenschaft über die Datenökonomie bis zur Biologie vereint.“ “

Badische Zeitung, 06.11.2019

Der Data-Ismus als neue weltumspannende Religion – Offenburg – Badische Zeitung

Zum Bio-Ethik-Gesetz von 2021, Bericht zur Präsidentschaftswahl Frankreich 2022.

„Laut Gesetz können sich nun auch Single-Frauen und lesbische Paare ihren Kinderwunsch durch künstliche Befruchtung auf Kosten der Krankenkasse erfüllen. Darüber hinaus wird auch die Embryonen- und Stammzellforschung liberalisiert, genetische Zwillinge und Hybridwesen aus Mensch und Tier sind möglich, müssen aber nach zwei Wochen vernichtet werden. Das Gesetz gehört noch zu Macrons Wahlversprechen von 2017. Selmane, Sohn eines Lehrers und aus einer (algerischen) Großfamilie stammend, sieht hier eine weitere Auflösung der Verbindlichkeit von Familie. „Die Liebe eines Vaters ist nicht gleich wie die Liebe einer Mutter, ein Kind braucht beides.“ Damit ist er auf einer Linie mit Vertretern der Katholischen Kirche, die vom „Triumph einer Ideologie“ sprechen, welche die „Würde des Menschen“ von „veränderbaren Variablen“ abhängig mache. Es gibt also genug Themen im Wahlkampf 2022, der an Fahrt aufnimmt und von Bedeutung für ganz Europa ist.“

Pro medien, 05.03.2022

Wer zieht in den Élysée-Palast?

Das Quempas-Singen von Chören des Evangelischen Bezirkskantorats Offenburg bringt Hoffnung in der Adventszeit.

„Quempas“ kommt vom lateinischen Anfang des Weihnachtsliedes „Den die Hirten lobten sehre“ (Quem pastores laudaverunt) und bezeichnet heute das vorweihnachtliche Singen von Weihnachtsliedern, erklärt Kirchenmusikdirektor Traugott Fünfgeld zu Beginn des Abends. Er begleitet die Chöre am Piano. Dann stimmt der Posaunenchor „Tochter Zion“ an, ein bekanntes Adventslied aus dem 19. Jahrhundert. Das Lied, in dem sowohl der neutestamentliche Palmsonntag als auch die alttestamentliche jüdische Hoffnung auf eine Rückkehr nach Jerusalem anklingt, wurde im Dritten Reich aufgrund der damals herrschenden nationalsozialistischen antichristlichen und antisemitischen Gesinnung aus den Weihnachtsliedersammlungen entfernt. Die Textlesungen des Quempas-Abends, darunter christliche Zeugnisse aus vergangenen notvollen Tagen, setzen zusammen mit der Liederauswahl Akzente der Hoffnung auch in diesen zunehmend krisen- und kriegsgebeutelten Zeiten.“

Badische Zeitung, 21.12.2023 

Das Offenburger Bezirkskantorat bringt Trost mittels gesungener Weihnachtsbotschaft – Offenburg – Badische Zeitung

Quempas-Singen 2013. Foto: Carola Bruhier.

Quempas-Singen 2023. Foto: Uli Glasemann.

Selbstbestimmtes Sterben – Euthanasie

Die Kehrseite der Autonomie: Immer mehr Menschen in westlichen Ländern sterben durch Euthanasie.

Fiktion:

Der Spielfilm „Plan 75“ (Cannes Filmfestival 2022) von Chie Hayakawa spielt im Japan der nahen Zukunft die Vision einer staatlich durchorganisierten Agentur für Sterbehilfe durch. Menschen, die das 75. Lebensjahr vollendet haben, wird der betreute Freitod subventioniert, alles ist perfekt organisiert. Die Entscheidung für den Freitod erfolgt freiwillig – in einer demografisch schrumpfenden individualistischen Leistungsgesellschaft, in der die Menschen immer älter werden, vereinsamen und Altersarmut häufig eine Rolle spielt.

Realität:

„In Kanada wird Medical Assistance in Dying (MAID) mittlerweile ganz offen als Alternative zu Therapien angeboten, benennt IMABE. Bereits 2020 hatten Ökonomen vorgerechnet, dass sich jährlich an die 150 Millionen Dollar durch Euthanasie einsparen ließen. Seit der Verabschiedung des Gesetzes zum selbstbestimmten Sterben 2016 hat sich die Zahl der Euthanasie-Toten verzehnfacht. Seit 2021 ist eine lebensbedrohliche Erkrankung nicht mehr notwendig für den assistierten Suizid. Als häufigster Grund werden nicht etwa Schmerzen genannt, sondern die Angst vor dem Verlust noch sinnvolle Aktivitäten ausführen zu können und eine Last für Angehörige zu sein. Jeder fünfte Befragte gibt soziale Isolation und Einsamkeit als Sterbegrund an.“

Blick in die Zeit des Nationalsozialismus:

„Ein grenzenloser Fortschrittsoptimismus gepaart mit dem Ideal der kulturellen Höherentwicklung der Menschheit, förderten den Gedanken der Eugenik. Szientismus, reiner Wissenschaftsglaube, beruhend auf biomedizinischen und sozialdarwinistischen Erkenntnissen des 19. und 20. Jahrhunderts, war auf dem Vormarsch. Nicht nur in Deutschland wurden Gesetze zu Zwangssterilisierungen und der Verhütung von erbkrankem Nachwuchs diskutiert. Dass damit die Tür geöffnet wurde für spätere Euthanasie-Programme und den Holocaust, wollten die wenigsten auch nach der Nazi-Katastrophe wahrhaben.“

Der Christ Fritz von Bodelschwingh, Leiter der von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel im Widerstand:

„Er (Bodelschwingh) weiß, dass diese Welt der Schwachen und Kranken gemessen an den Gesichtspunkten innerweltlicher Zweckmäßigkeit im Grunde genommen schutzlos ist. Verstehen kann man sie nur im Licht der Ewigkeit. An vielen Kinderbetten saß er bis zum letzten Atemzug der Kleinen und bezeugt, wie er demütig wurde vor angesichts ihres Leids und ihres kindlichen und unverbauten Glaubens an das Reich Gottes. Ohne diese in der Bibel benannte Perspektive Ewigkeit und das Wissen um den Wert jedes von Gott geschenkten Lebens auch und gerade für die Ewigkeit, wird die „Würde“ des Menschen zum Konjunktiv.“ 

Auszüge aus Factum, Heft 03/2024